Zwölf Prozent weniger für CDU und SPD: Freiburgs Statistiker legen Ergebnisse und Analysen der Bundestagswahl 2017 vor

Soziales Gefälle vor Bildung/Schule und EU: Umwelt/Klima rutscht aus der Liste der wahlentscheidenden Themen

Freiburg wählt anders: Das gilt auch für die Bundestagswahl am 24. September, und es wird von der Veröffentlichung „Die Bundestagswahl 2017: Ergebnisse und Analysen“ bestätigt, die das Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung (ABI) jetzt vorlegt. Auf 164 Seiten bietet sie einen ausführlichen Tabellenteil, vergleicht die Freiburger mit Bundes- und regionalen Ergebnissen, ordnet sie historisch ein, stellt Zahlen der Wahlberechtigten und ihrer Wahlbeteiligung dar und analysiert räumliche Strukturen der Ergebnisse im Stadtgebiet.

Darüber hinaus enthält die Veröffentlichung des ABI eine Analyse der Wählerwanderungen, der Altersstruktur der jeweiligen Parteianhänger und der Informationsquellen für die politische Meinungsbildung. In einem eigenen Abschnitt werden die Ergebnisse aus Briefwahl (die diesmal mit einem Gesamtanteil von 36,1 Prozent erneut einen Rekordwert erreichte) und Lokalwahl verglichen.

Die Frage „Wer hat wen gewählt und weshalb?“ kann das ABI inzwischen mittels stark ausdifferenzierter Wahltagsbefragung und repräsentativer Wahlstatistik klären; deren Ergebnisse sind ebenfalls in der Veröffentlichung zu finden. An der Wahltagsbefragung haben übrigens 7,6 Prozent aller Wähler der ausgewählten Wahllokale teilgenommen. Dies ist eine relativ hohe Ausschöpfungsquote, da nur jede zehnte Person in den ausgewählten Wahllokalen angesprochen wurde; somit war eine Quote von maximal 10 Prozent erreichbar.

Auch im Wahlkreis Freiburg hat die Bundestagswahl 2017 zu einer deutlichen Verschiebung der politischen Gewichte geführt. Die Wählerbewegungen fanden dabei analog zu den Entwicklungen auf Bundesebene statt und betreffen die Verteilung der Erst- und auch der Zweitstimmen. Sowohl im Wahlkreis als auch in der Stadt Freiburg haben CDU und SPD deutlich an Zustimmung verloren, während Grüne, FDP, AfD und Linke zulegen konnten. Auch in Freiburg sind die Piraten (0,3 Prozent) bedeutungslos geworden und landen hinter der Tierschutzpartei (1,1 Prozent) und „Die Partei“ (1,0 Prozent), die nun die einzigen Parteien der „Sonstigen“ sind, die nennenswerte Anteile erzielen.

Kerstin Andreae konnte das Erststimmenresultat (plus 4,8 Prozent) der Grünen im Wahlkreis deutlich stärker ausbauen als das Zweitstimmenergebnis (1,3 Prozent-Punkte). Dabei konnte Andreae sowohl in der Stadt Freiburg als auch in den Umlandgemeinden (plus 5 bzw. 4,4 Prozent-Punkte) zulegen. Matern von Marshall musste im Wahlkreis (minus 6,9 Prozent-Punkte) deutliche Verluste hinnehmen, daher kam es zu einem knappen Entscheid um das Freiburger Direktmandat. Obwohl Marschall in den 19 zum Wahlkreis zählenden Umlandgemeinden (minus 8,5 Prozent-Punkte) noch stärker als in der Stadt Freiburg (minus 6,2 Prozent-Punkte) Stimmen eingebüßt hat, konnte er hier das Direktmandat gewinnen. In der Stadt Freiburg lag Andreae vor von Marschall, dieser konnte sie aber überflügeln, da er im Umland deutlich besser abschnitt.

Dass dem 19. Bundestag drei Abgeordnete aus dem Wahlkreis 281 angehören, liegt daran, dass sowohl Kerstin Andreae (Grüne) als auch Tobias Pflüger (Linke) über die Landeslisten ihrer Parteien den Sprung ins Parlament geschafft haben.

Die Wahlbeteiligung ist in Freiburg gegenüber der Vorwahl von 2013 um fast fünf Prozentpunkte gestiegen. Bei keiner Bundestagswahl seit 1998 hat ein größerer Anteil der Wahlberechtigten in Freiburg sein Stimmrecht wahrgenommen. Damals waren es 82,6, diesmal 80,9 Prozent. Allerdings bleibt festzuhalten, dass diese Wahlbeteiligung noch weit entfernt ist von den Jahren 1972 bis 1983, als regelmäßig fast 90 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen gingen.

Mittels der Wahltagsbefragung kann u.a. geklärt werden, welche Themen für die Wähler wahlentscheidend waren. Dabei konnten die Befragten maximal zwei von zehn vorgegebenen Themen benennen. Die Auswahl der Themen orientierte sich an den Topthemen der vergangenen Monate des Politbarometers der Forschungsgruppe Wahlen. Mit einigem Abstand führte in Freiburg das Thema „Soziale Gerechtigkeit/Soziales Gefälle“ (39 Prozent) die Rangfolge an, dahinter lagen „Bildung/Schule“, „Europäische Union“ und „Flüchtlinge/Asyl“ (je 24 Prozent der Befragten). Weniger als 10 Prozent der Befragten nannten „Arbeitslosigkeit/Arbeitsmarkt“ und „Politik(er)verdruss“.

Eine Hauptrolle spielte das Thema „Flüchtlinge/Asyl“ für die Wähler aller Parteien außer SPD und Grüne. Bei der AfD war es das Topthema, mit großem Abstand vor „Innere Sicherheit/Kriminalität“. Parteiübergreifend häufig genannt wurde auch der Zustand bzw. die Krise der Europäischen Union; bei der CDU war dies das Topthema. Bei den Grünen, der SPD und der Linken wurde dagegen die „Soziale Gerechtigkeit“ am häufigsten genannt.

Das Heft „Die Bundestagswahl 2017 in Freiburg: Ergebnisse und Analyse“ ist in der Reihe „Beiträge zur Statistik“ erschienen. Es kostet 15 Euro und kann beim Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung (Fax 0761/201-5598, statistik@stadt.freiburg.de) bestellt werden. Außerdem ist es kostenfrei von www.freiburg.de/statistischeveroeffentlichungen herunterzuladen.

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Veröffentlicht am 27.11.2017

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