Umfangreiches Veranstaltungs- und Aktionsprogramm

16 Tage gegen Gewalt an Frauen

Die weltweite Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“, die jährlich vom 25. November bis zum 10. Dezember stattfindet, setzt sich für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein. Das Freiburger Aktionsbündnis aus 40 Frauen- und Menschenrechtsgruppen sensibilisiert auch in diesem Jahr mit einem umfangreichen Veranstaltungs- und Aktionsprogramm für das in der Öffentlichkeit immer noch stark tabuisierte Thema.

Im Rahmen der "Spätlese" der Freiburger Lesbenfilmtage liest die Publizistin und Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels Carolin Emcke aus ihrem aktuellen Buch „Gegen den Hass“. Die Veranstaltung in Kooperation mit der Stelle zur Gleichberechtigung der Frau findet am Freitag, den 1. Dezember, um 20 Uhr im Historischen Kaufhaus statt. Foto: Andreas Labes

Die diesjährigen Freiburger Aktionstage stehen unter dem Motto „Frauen wollen in Würde und Sicherheit leben. Ohne Gewalt. Hier und weltweit“. Vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen stehen das Thema Feminismus, der erstarkende Sexismus und Rassismus sowie die Tatsache, dass sexualisierte Gewalt durch Krieg und Flucht in den letzten Jahren immens angestiegen ist, im Mittelpunkt der Veranstaltungen und Aktionen.

Infos zu den Aktionstagen:

www.freiburg.de/frauenbeauftragte

Sexuelle Gewalt und #metoo

Ein Standpunkt von Simone Thomas, Frauenbeauftragte der Stadt Freiburg

Wir leben in einer Gesellschaft, in der nach wie vor Gewalt durch Männer gegen Frauen als alltäglich gilt. Weltweit werden jeden Tag Frauen ermordet, vergewaltigt oder leiden unter häuslicher Gewalt.
Mädchen werden missbraucht, zwangsverheiratet oder in die Prostitution gezwungen. Immer andelt es sich dabei um eine Verletzung elementarer Menschenrechte. Wir wachsen mit dem Bewusstsein auf, dass Sexismus eben irgendwie dazu gehört. Nicht nur in der Film- und Musikbranche. Sondern überall. Harvey Weinstein hat argumentiert, dass er es gewöhnt war, Frauen so zu behandeln, und er mit dieser Vorstellung vom Verhältnis zwischen Mann und Frau aufgewachsen ist.

Warum schweigen​ die Opfer meistens?​

Viele fragen sich, warum so viele Frauen sich jetzt erst melden und solange geschwiegen haben.

Oft sind Betroffene in einer dem Täter untergeordneten Position. Dann ist es ein großes Risiko, einen Mann öffentlich der sexuellen Belästigung zu bezichtigen. Weinstein zum Beispiel saß immer am längeren
Hebel, hatte ein Heer von Anwälten und war in der Lage, dafür zu sorgen, dass eine Schauspielerin in Hollywood nie wieder eine Rolle bekommt. Dieses Muster gilt nicht nur für Schauspielerinnen. Im  Internet finden sich zahlreiche Berichte von Auszubildenden und Angestellten, die von Vorgesetzten belästigt wurden und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen – aus Angst, ihren Ausbildungsplatz oder ihre Stelle zu verlieren.

Gründe, weshalb betroffene Frauen schweigen, gibt es noch viele mehr: Etwa weil sie verdrängen,
weil sie sich schämen, weil sie nicht wollen, dass ihr Partner oder die KollegInnen davon erfahren,  geschweige denn die Öffentlichkeit. Weil sie fürchten, dass ihnen niemand glaubt und ihre Lage sich noch verschlechtert oder ihnen gar eine Mitschuld unterstellt wird: War der Rock zu kurz, die Uhrzeit zu spät, zu viel Alkohol im Spiel, gab es eine Vorgeschichte? In unserer Gesellschaft erfahren Täter viel Unterstützung von denjenigen, die es wissen und schweigen – auch im Glauben, das ginge sie nichts an. Und das sind viele. Das Schweigen zu brechen, ist immer der erste Schritt gegen sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen. Aus Angst und Scham wird viel zu lange geschwiegen. Das muss endlich ein Ende haben, denn schämen sollten sich die Täter.

​​Was ist gut an der aktuellen​ Debatte über #metoo?​

Gut ist, dass über Sexismus geredet wird. Es braucht eine große öffentliche Debatte, in der diskutiert wird, was man dagegen tun kann. Mittlerweile herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass Sexismus ein weltweites strukturelles Gesellschaftsproblem ist. Dem liegt ein Machtverhältnis zugrunde, das seine Ursache in patriarchalen Strukturen hat. Eine öffentliche Debatte führt zu einem Wandel im Denken.
Die Folge ist: Ein solches Verhalten wird nicht mehr toleriert, wie es sich am Fall Weinstein zeigt. Betroffene Frauen und auch Männer (Kevin Spacey!) werden ermutigt, sich zu wehren und Übergriffe und Belästigungen nicht mehr stillschweigend hinzunehmen.

Was ist zu tun?

Es braucht eine Auseinandersetzung mit den Ursachen von Sexismus und sexualisierter Gewalt. Mehr Auseinandersetzung mit Geschlechterstereotypen, mit denen wir aufwachsen und die noch immer ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen manifestieren.

Maßnahmen zur Gleichberechtigung müssen ein Gegengewicht schaffen und dürfen nicht unter „Gedöns“ abgetan werden. Wer sexuelle Übergriffe verhindern will, benötigt geschlechtergerechte Machtverteilung.
Konzentriert sich Macht in den Händen einzelner Männer an der Spitze, steigt die Gefahr, dass sie zum Nachteil von Frauen missbraucht wird. Gewalt gegen Frauen und sexuelle Belästigung sind strukturell  und werden erst aufhören, wenn sich die gesellschaftliche Kultur weiter ändert. Wichtig dafür ist neben mehr Hilfe und Unterstützung für Betroffene auch die Umsetzung von Forderungen wie gleicher Lohn
für gleiche Arbeit, die Quote, geschlechterbewusste Sprache, angemessene Strafen für Sexualstraftaten
und häusliche Gewalt, Verbot sexistischer Werbung und so weiter.

„Wer die Weinsteins dieser Welt loswerden will“, so Anne Wizorek, „braucht eine starke Gegenkultur. Eine Gegenkultur, die auch von Männern getragen werden muss.“ (Simone Thomas)


Veröffentlicht am 24.11.2017
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