Neue Räume zum Jubiläum

50 Jahre Adolf-Reichwein-Schule

Runder Geburtstag und millionenschwere Geschenke: Für die Adolf- Reichwein-Schule in Weingarten gab es heute genug Gründe zum Feiern. Pünktlich zum 50-jährigen Jubiläum haben Vertreterinnen und Vertreter von Schule und Verwaltung zwei Erweiterungsbauten eingeweiht. Seit Ende 2015 hat das  Gebäudemanagement (GMF) einen Ganztagsbereich mit Cafeteria und Betreuungsräumen sowie einen Schulkindergarten mit zweigruppiger Kita angebaut.

Die Showeinlagen des Lehrkollegiums sorgten für gute Laune bei den Ehrengästen der Jubiläumsfeier. Foto: A.J. Schmidt

Die Kosten fielen dabei gut eine Million günstiger aus als geplant, wovon die Schule wiederum profitiert: Der ersparte Betrag soll in die Gesamtsanierung fließen, die Anfang 2018 beginnt.

Zu den Besonderheiten der Adolf-Reichwein-Schule zählt, dass die Kinder des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums in den Klassen der Grundschule integriert sind. Außerdem haben rund 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus verschiedensten  Kulturen und Sprachräumen und bringen ganz unterschiedliche Voraussetzungen für das gemeinsame Lernen und Leben in der Schule mit.

Der 50. Geburtstag weckt Erinnerungen an die Anfänge der Schule Mitte der 60er Jahre: Im Haslacher Gewann Weingarten entstand damals eine neue Wohnsiedlung, die sich, anders als die Gartenstadt, zum selbständigen Stadtteil entwickelte. Bis 1967/68 wurden in den neuen Stadtteilen Landwasser und Weingarten Wohnungen für rund 12.000 Menschen geschaffen. Damit waren auch schulische Planungen gefragt. Um den Schulbau rasch voranzutreiben, suchte man nach neuen Baumethoden und fand in der Kreuzbauweise die passende Lösung. Neun neue Freiburger Schulen wurden in dieser Bauart errichtet, darunter auch die Adolf- Reichwein-Schule in der Bugginger Straße. 1967 nahm sie als einzige allgemeinbildende Schule im neuen Stadtteil Weingarten den Betrieb auf. Von Anfang an verstand sie sich nicht als reine Bildungsinstitution, sondern stellte sich auch den Herausforderungen eines schnell wachsenden Quartiers.

Zu den Aufgaben, die es zu bewältigen galt, gehörte vor allem ein großer Schüleransturm: Lange Zeit war die Adolf-Reichwein-Schule die größte Grundschule Freiburgs. Schon zum Start zählte sie 655 Schülerinnen und Schüler in 16 Klassen. Jahr für Jahr wurden es mehr, 1973 war mit 1.175 Kindern und 36 Klassen der Höchststand erreicht. Ergänzende Pavillons halfen, die Raumnot zu lindern. Mitte der 80er Jahre pendelten sich die Schülerzahlen auf dem heutigen Niveau ein.

Aktuell zählt die Ganztagsgrundschule mit Sonderpädagogischem Bildungs- und Beratungszentrum 457 Schülerinnen und Schüler, darunter über siebzig, die inklusiv beschult werden. Der Ganztagsbetrieb läuft seit Beginn des Schuljahres und wird von 332 Kindern genutzt. Zwei Schulsozialarbeiter ergänzen das pädagogische Team. Nach dem Ganztagsbetrieb bietet der Diakonieverein Freiburg-Südwest eine  Anschlussbetreuung bis 17 an. Dort sind derzeit 108 Kinder angemeldet.

Den heute eingeweihten Ganztagsbereich nutzen die Schülerinnen und Schüler seit Schuljahresbeginn. Der Massivholzbau bietet auf 800 Quadratmetern Cafeteria und Bibliothek, Lernwerkstätten, Ruhe- und Stillarbeitszimmer und vier weitere Räume zum Toben, Bewegen, Forschen/Werken und  Tanzen/Musizieren. Bis Jahresende wird auch der zweite Neubau für den Schulkindergarten mit Kita fertig sein.

Weil dann die Generalsanierung der Schule anläuft, gehen aber zunächst nur vier Kitagruppen in Betrieb. Die
restlichen Räume dienen als Ersatzklassenzimmer. Wenn die Schulsanierung Ende 2020 abgeschlossen ist, ziehen fünf Schulkindergarten- und zwei Kitagruppen ein. Für die beiden Erweiterungsbauten hatte der Gemeinderat 16,4 Millionen Euro genehmigt. Durch vorausschauende Planung und Synergieeffekte bei der Vergabe und Abwicklung beider Bauabschnitte konnte das GMF gut eine Million Euro einsparen und liegt aktuell bei Kosten von 15,4 Millionen Euro.

Der eingesparte Betrag fließt in die Sanierung des Bestandsgebäudes, die Anfang 2018 in zwei Bauabschnitten folgt.

Insgesamt sind für die reinen Baukosten 8,62 Millionen Euro veranschlagt. Die Toiletten wurden bereits 2015 saniert, auch die Fassade hat das GMF schon 2009/2010 energetisch optimiert. Nun geht es hauptsächlich um die Aufwertung des Innenbereichs. Die Arbeiten werden voraussichtlich rund drei Jahre andauern und umfassen auch Brandschutzvorkehrungen, einen Aufzug und den Bau einer neuen Pausenhalle. Diese soll als Mittelpunkt der offenenund kulturell vielfältigen Schule eine Lern- und Begegnungslandschaft auf zwei Ebenen bieten. Das Bauvorhaben berücksichtigt damit auch einen zentralen Aspekt des Schulprofils: das soziale Lernen. In diesem Kontext kooperierte die Adolf-Reichwein-Schule schon vor Jahren eng mit der Weingartenschule für Erziehungshilfe – und zwar so erfolgreich, dass der Gemeinderat die ehemals eigenständige Sonderschule zum Schuljahr 2007/08 in die Grundschule  integrierte. Der Sonderschulkindergarten verblieb am bisherigen Standort im Haus Weingarten. Er wird von  45 Kindern in sechs Gruppen besucht, darunter auch die „Lernfüchse“ für sechs besonders förderungsbedürftige Kinder. Nach der Generalsanierung der Adolf- Reichwein-Schule werden der  Sonderschulkindergarten und eine Kita der Diakonie in den zweiten Neubau einziehen. Neben dem sozialen Lernen liegen weitere pädagogische Schwerpunkte der Schule auf der Förderung von Sprache, Bewegung und einem intensiven Austausch mit den benachbarten Kindertagesstätten. Außerdem gibt es eine enge  Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen im Stadtteil, wie dem Jugendzentrum, dem Abenteuerspielplatz oder dem Nachbarschaftswerk. Zu den Projektpartnern zählen aber auch der Eltern- und Freundeskreis, das musikalische Jugendzentrum oder der Verein Jugend-Welt.

Hintergrund: Wer war Adolf Reichwein?

Benannt ist die Adolf-Reichwein-Schule nach einem Mann, der zwar nicht mit Freiburg, aber mit der Ausrichtung der Schule
zusammenhängt: Adolf Reichwein (geb. 1898 in Bad Ems) engagierte sich für die Integration einander entfremdeter Menschen. Der Professor für Geschichte und Staatsbürgerkunde wurde 1933 von den Nationalsozialisten entlassen und nahm eine
Stelle als Lehrer an einer kleinen Dorfschule an. 1944 wurde er auf dem Weg zu einem Treffen mit kommunistischen
Widerstandskämpfern verhaftet und in der Folge erhängt. Er galt als Beteiligter am Attentat auf Hitler im Juli 1944. Seine
Grundmotivation, zur Verständigung zwischen den Menschen beizutragen, teilt die nach ihm benannte Schule seit ihrer
Gründung bis heute: Sie bringt die Bewohnerschaft des Stadtteils zusammen und nutzt deren Vielfalt als Ressource.


Veröffentlicht am 23.11.2017
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