Freiburg in personeller Ausstattung Spitzenreiter

An jeder öffentlichen Schule gibt es nun Sozialarbeit

Seit diesem Schuljahr arbeitet an jeder der 54 allgemeinbildenden, öffentlichen Schulen in Freiburg mindestens eine Schulsozialarbeiterin oder ein Schulsozialarbeiter. Damit haben alle Freiburger Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich bei Schwierigkeiten mit der Schule, mit der Familie, mit Freundinnen oder Freunden vertrauensvoll an ausgebildete Fachkräfte zu wenden. Freiburg ist hier hinsichtlich der personellen Ausstattung in Baden-Württemberg Spitzenreiter.

Zwei Kinder in Malerkitteln bekommen von einem Schulsozialarbeiter Gips in ihr Gesicht, um Masken von ihren Gesichtern herzustellen.
Neben der Beratung bei Problemen können die Kinder erlebnispädagogische Angebote wahrnehmen oder an Projekten teilnehmen, wie hier in der Staudinger Gesamtschule (Foto: A.J. Schmidt).

Mit insgesamt 68 Personen und damit 2,42 Stellen Schulsozialarbeit pro 1.000 Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 18 Jahren ist Freiburg in Baden-Württemberg führend. Eine zweijährige Evaluation der Evangelischen Hochschule belegt jetzt außerdem, dass Freiburg mit seinen Qualitätsstandards in der Schulsozialarbeit richtungsweisend ist.

Sozialarbeit an Schulen begann im Jahr 2000

Schon im Jahr 2000 begann der Ausbau der Schulsozialarbeit in Freiburg, beginnend mit den Hauptschulen. Die Real- und Grundschulen folgten ab 2012 durch vom Bund zur Verfügung gestellte Mittel im Rahmen eines Bildungs- und Teilhabepakets und durch ein baden-württembergisches Landesförderprogramm. Seit 2016 sind auch die Gymnasien mit Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern ausgestattet.

In den meisten Fällen haben die Fachkräfte eine 75-Prozent-Stelle. Sie arbeiten vorrangig während der Schulzeit und haben in den Ferien frei. Auch an schulischen Gremien, Austauschrunden und an Fortbildungen nehmen sie teil. Die Sozialarbeiterinnen und –arbeiter sind immer direkt an den Schulen angesiedelt und haben dort ein Büro, in dem sie Gespräche führen können. In der Regel arbeiten sie an einer Schule, ausnahmsweise auch mal an zwei Schulen. Der größte Anteil ihrer Arbeitszeit geht in die Einzelberatung von Schülerinnen und Schülern. Meistens kommen die Kinder und Jugendlichen direkt zu ihnen, manchmal wird der Kontakt auch über Eltern oder Lehrerinnen und Lehrer aufgenommen. Die Sozialarbeiterinnen und –arbeiter machen auf sich und ihr Angebot aufmerksam, in dem sie beispielsweise in den Pausen Projekte anbieten. Auch erlebnispädagogische Angebote während den Aufenthalten in Schullandheimen werden in manchen Schulen durchgeführt. Die konkrete Umsetzung der Schulsozialarbeit ist je nach Schule unterschiedlich, aber immer an den Bedarf der Schule angepasst.

Die Stadt kooperiert in der Schulsozialarbeit mit freien Trägern. Der Großteil der Fachkräfte ist bei zwölf freien Trägern der Jugendhilfe angestellt. Sie üben auch die Sach- und Fachaufsicht aus. Zwei der drei Fachkräfte der Staudinger Gesamtschule sind historisch bedingt bei der Stadt angestellt. Das Amt für Kinder, Jugend und Familie (AKI) begleitet die freien Träger und Fachkräfte fachlich und übernimmt die Praxiskoordination sowie die Steuerung in verschiedenen Gremien und Austauschtreffen. Für die Schulsozialarbeit sind im Doppelhaushalt 2017/18 insgesamt 3,3 Millionen Euro pro Jahr als Mittel vorgesehen. Etwa ein Drittel davon wird vom Bund finanziert.

Evaluation bringt positive Ergebnisse

Nachdem nun an allen öffentlichen Schulen im Stadtgebiet die Schulsozialarbeit ein fester Bestandteil geworden ist, erfolgte eine zweistufige Evaluation vom Zentrum für Kinder- und Jugendforschung (ZfKJ) an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Diese wurde von Prof. Klaus Fröhlich-Gildhoff und Annegret Reutter geleitet. Befragt wurden Lehrerinnen und Lehrer, Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter, Eltern aber auch Schülerinnen und Schüler.

Untersucht wurde zunächst, ob die wichtigsten Säulen der Schulsozialarbeit eingehalten werden, wie beispielsweise mögliche Einzelberatungen für Schülerinnen und Schüler, soziale Angebote für Gruppen und Klassen, offene Angebote für alle wie Schülercafés und die Förderung von inner- und außerschulischer Vernetzung zu den verschiedenen Stadtteilen. Außerdem wurde in einer zweiten Phase die Einhaltung der zwölf Qualitätsstandards für die Schulsozialarbeit überprüft. Diese bestehen schon seit 2002 und wurden von den freien Trägern der Jugendhilfe, dem staatlichen Schulamt, dem Amt für Schule und Bildung und dem AKI erarbeitet.

Das Ergebnis der Evaluation hat Folgendes ergeben: Die Qualitätsstandards werden durchweg als hilfreich und praktikabel wahrgenommen und im Schulalltag umgesetzt. Damit werde insgesamt die Praxis und das Konzept der Freiburger Schulsozialarbeit bestätigt, so der Abschlussbericht. Auch sei die Schulsozialarbeit an den Schulen bekannt und werde je nach Schultyp unterschiedlich, aber immer unterstützend wahrgenommen. Bei der Prävention komme der Schulsozialarbeit eine besondere Bedeutung zu. Bei der Planung der Angebote empfiehlt der Abschlussbericht, alle Beteiligten an den Schulen mitsamt Schülerinnen und Schülern sowie Eltern miteinzubeziehen. Auf die Zusammenarbeit der Beratungslehrkräfte und der Schulsozialarbeit soll ein besonderer Augenmerk gelegt werden.

Insgesamt ist das Ergebnis der Evaluation als sehr positiv zu bewerten: Die Schulsozialarbeit in Freiburg wird als richtungsweisend angesehen. Wichtig dafür sei dabei, dass die Stadt die freien Träger in ihrer Arbeit koordiniert und unterstützt sowie fachlich berät.

Als neue Herausforderungen in den nächsten Jahren nennt der Bericht die Rolle der Schulsozialarbeit in den Ganztagesschulen, eine präventive Orientierung an der Schule sowie die Inklusion und die Arbeit mit Menschen mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund. Außerdem wurde thematisiert, Jugendhilfe und Schule mehr zu verknüpfen.

Den gesamten Abschlussbericht zur Evaluation der Schulsozialarbeit finden Sie auf der Homepage des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung.

Veröffentlicht am 26.10.2017
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