Neue Grabfunde aus Baden

Versorgt fürs Jenseits?

Wir wissen nicht, was uns nach dem Tod erwartet. Um unseren geliebten Verstorbenen jedoch die bestmögliche Ausgangslage zu bieten, geben wir ihnen seit jeher etwas mit auf ihre Reise: Eine Erinnerung ans Leben, Wegproviant oder etwas Nützliches fürs Jenseits. Die Ausstellung „Versorgt fürs Jenseits? Neue Grabfunde aus Baden“ , die vom 14. September bis zum 22. April 2018 im Archäologischen Museum Colombischlössle zu sehen ist, zeigt außergewöhnliche und wertvolle Grabbeigaben aus früheren Zeiten.

In diesen Armschmuck wuchs die eisenzeitliche Frau hinein und kam zeit ihres Lebens nicht mehr heraus. Foto: Stadt Freiburg

Die Sonderausstellung präsentiert über 150 Grabbeigaben, deren Alter von der Jungsteinzeit bis in die römische Zeit reicht. Die Beigaben stammen alle aus aktuellen Ausgrabungen im Regierungsbezirk Freiburg und werden erstmals gezeigt.
 
Jede Epoche bringt ihre eigene Bestattungskultur mit sich: Während die Gräber aus der Jungsteinzeit Körpergräber waren, finden sich in der Bronzezeit überwiegend Urnengräber. Der Leichenbrand des Verstorbenen wurde dafür in einem Tongefäß vergraben. In der frühen Eisenzeit gibt es wieder vermehrt Körpergräber, die eine spezielle Anordnung aufweisen. Die Verstorbenen wurden unter einem Grabhügel bestattet. Oft befinden sich in dem Grabhügel mehrere Gräber, so auch in einem Grabhügel bei Wyhl am Kaiserstuhl, dessen Grabbeigaben in der Ausstellung gezeigt werden. Hier fand man sieben längliche Grabgruben mit Überresten von acht Personen.
 
Wie die Bestattungskultur, verändern sich mit der Zeit auch die Grabbeigaben: In der Steinzeit wurden überwiegend Tongefäße mit ins Grab gelegt. Die größtenteils braun verfärbten Trinkgefäße, Becher und Schalen waren in ihrer Entstehungszeit prächtig verziert, mit Muschelpaste oder Bronzenieten. Man kann sie sich also durchaus farbenprächtig vorstellen. Es wird vermutet, dass sich in den Gefäßen aus Baden Nahrungsmittel befanden, da in einigen davon Rückstände von Körnern, Fischgräten oder Tierknochen gefunden wurden.
 
Die Menschen in der frühen Eisenzeit setzten ganz andere Prioritäten: Sie gaben ihren Verstorbenen vor allem Schmuck aus Sapropelit (versteinerter Faulschlamm) oder Werkzeuge wie Rasiermesser mit.
 
Das in der Ausstellung präsentierte frühromanische Grab aus Diersheim stellt eine Besonderheit dar: Das Grab stammt vermutlich aus dem 1. bis 3. Jh. n. Chr. Damals waren noch sehr wenige Römer in dieser Gegend anzutreffen. Man vermutet, dass es Germanen waren, die hier direkt an der Rheingrenze von den Römern als Grenzschutz angesiedelt wurden. Darauf deuten auch die vielen Waffen hin, die in den 17 Urnengräbern gefunden wurden.
 
Neben den vielen Grabbeigaben bietet die Ausstellung auch eine Fühlstation: Eine Armschutzplatte für das Bogenschießen und ein Gefäß mit Kerbschnittverzierungen wurden nachgebaut, um jedem die Möglichkeit zu geben, zu erleben, wie sich solche Objekte ursprünglich angefühlt haben.
 
Die Ausstellung bietet zudem eine interaktive Station, an der die Besucherinnen und Besucher sich darüber Gedanken machen können, was sie einmal selbst mit ins Jenseits nehmen möchten. Im umfangreichen Begleitprogramm werden Vorträge und Ausstellungsgespräche sowie inklusive Führungen und Führungen speziell für Kinder angeboten.


 
Eintritt: 4 Euro, erm. 3 Euro. Weitere Infos und Begleitprogramm unter www.freiburg.de/museen

Veröffentlicht am 15.09.2017
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