Wohnungsnotfallhilfe

Maßnahmenpaket zur Reduktion von Wohnungsnotfällen

In Freiburg mangelt es an bezahlbarem Wohnraum. Dies ist das Hauptproblem bei der Wohnungsnotfallhilfe, die im Gemeinderat Ende Juli ihren Jahresbericht für 2016 vorgestellt hat. Der Gemeinderat hat nun ein Maßnahmenpaket zur Reduktion der Wohnungsnotfälle beschlossen.

Das Gebäude Schlossbergring 1 mit davor parkenden Autos
Im Gebäude Schlossbergring 1 können bald wohnungslose Frauen untergebracht werden  (Foto: A.J. Schmidt)

Wie der im Gemeinderat Ende Juli beratene Jahresbericht der Wohnungsnotfallhilfe zeigt, sind über drei Viertel der gut 900 Personen, die im vergangenen Jahr die Fachberatung für wohnungslose Menschen in Anspruch genommen haben, eindeutig oder vermutlich mietfähig. Wenn es also genügend Wohnungen gäbe, kämen diese Menschen auch ohne die Hilfe des Sozialamts aus. Das Verweilen im System der Wohnungsnotfallhilfe wäre also mit bezahlbarem Wohnraum schnell zu beenden.

Für fast alle der wohnungslosen Personen gilt, dass die Wohnungslosigkeit nicht selbst gewählt, sondern eine Folge unglücklicher Lebensumstände ist. Umso wichtiger ist es daher, drohenden Wohnungsverlust abzuwenden. Durch Beratung und Prävention ist es oftmals möglich, Obdachlosigkeit zu verhindern oder kurzfristig zu beheben. Weit schwieriger ist die Situation bei Menschen, die langfristig Hilfe brauchen, weil multiple Probleme ein selbstbestimmtes Leben verhindern oder erschweren. Diese Gruppe ist auf eine Unterbringung in städtischen Unterkünften angewiesen, im Zweifelsfall bis zu ihrem Tod.

Wir groß die Herausforderungen in der Wohnungsnotfallhilfe sind, zeigen die Zahlen. Nach qualifizierten Schätzungen, die auf der Auswertung von Einzeldaten aus dem Hilfesystem in Freiburg basieren, leben in Freiburg rund 2700 bis 2800 Menschen, die ein hohes Risiko für Obdachlosigkeit haben. Von Obdachlosigkeit akut bedroht oder bereits betroffen waren im Jahr 2016 1700 bis 1800 Menschen. 560 Menschen waren ordnungsrechtlich und in Maßnahmen nach dem Sozialgesetzbuch untergebracht. Davon leben 423 in städtischen Unterkünften. Tatsächlich auf der Straße leben nach qualifizierter Schätzung 50 Menschen – Tendenz bei allen Gruppen steigend.

In Freiburg wird über die Sozialplanung für die betroffenen Zielgruppen und mit stetigen Bemühungen um Standorte viel für den Personenkreis getan. Am Standort Schlossbergring 1 werden beispielsweise neue Unterkünfte für wohnungslose Frauen eingerichtet. Die Kapazitäten in den städtischen Unterkünften sind dennoch erschöpft. Bis März 2018 rechnet die Sozialverwaltung mit einem zusätzlichen Bedarf von über 200 Plätzen.

Die entscheidende Maßnahme ist daher die Schaffung und Bereitstellung von zusätzlichem Wohnraum. Eine Möglichkeit hierfür wird in der Drucksache verbindlich geregelt: Die Anzahl der Belegungsrechte bei der Freiburger Stadtbau, die einen institutionalisierten Zugang zum Wohnungsmarkt ermöglichen, wird festgelegt. Zusätzlich hat der Gemeinderat einstimmig Ziele formuliert, um die Zahl der Wohnungsnotfälle dauerhaft zu reduzieren: Das Thema Wohnungslosigkeit soll zukünftig nicht als individuelles Problem, sondern als gesamtstädtische, übergreifende Aufgabe gesehen werden und in allen relevanten Aufgabenbereichen, von der Sozialplanung über die Prävention bis zum sozialen Wohnungsbau, berücksichtigt werden.

Veröffentlicht am 15.08.2017
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