Veranstaltungsreihe "Weltensammlerinnen" vom 28. April bis 22. Juni

Künstlerinnen aus aller Welt

Sie kommen aus Afghanistan, Belgien, Griechenland, aus dem Iran, aus der Schweiz, der Ukraine und aus vielen anderen Ländern: die 23 Künstlerinnen, die bei der erstmalig stattfindenden Veranstaltungsreihe "Weltensammlerinnen" ihre Kunstwerke präsentieren. Von A wie Ausstellung bis W wie Workshop werden vom 28. April bis 22. Juni an unterschiedlichen Orten verschiedene Werke und Aktionen zu sehen sein, die eine Gemeinsamkeit haben: Alle beschäftigen sich mit Identität und Zugehörigkeit.

Tabuzonen: Die Fotografien von Asoo Khanmohammadi halten die Realität von Frauen und Randgruppen fest. (Foto: Asoo Khanmohammadi)

Wo gehöre ich dazu? Welche Kultur ist mir näher? Und ist Identität ein Konzept, das an eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Raum gebunden ist? Die eigene Identität zu finden, ist manchmal keine leichte Aufgabe. Viel schwieriger erst recht, wenn man "zwischen den Kulturen" wandelt, also in einem deutschsprachigen Land lebt, aber aus einem anderen Herkunftsland kommt. Davon handeln die künstlerischen Werke der 23 Kulturakteurinnen. Sie alle arbeiten mit ihren individuellen Lebensrealitäten und den eigenen persönlichen Geschichten sowie mit der Sprache und der Kultur ihrer Herkunftsländer.

"Frauen sind in der nationalen und internationalen Kulturlandschaft noch immer in der Unterzahl", so die Frauenbeauftragte Simone Thomas. Diese Frauen und ihre Arbeiten sichtbar zu machen, ist ein großes Anliegen der Veranstaltungsreihe, deren Vorbereitung zwei Jahre beansprucht hat. Dabei soll sich "Weltensammlerinnen" nicht nur an Frauen richten, sondern an alle, die an Kunst und Kultur interessiert sind. "Männer sind natürlich ausdrücklich willkommen", betont Simone Thomas.

Der Titel für die mehrwöchige Veranstaltung ist in Anlehnung an den Roman "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow gewählt, der von transkulturellen Identitäten handelt. Also genau das, was die Künstlerinnen auch in ihren Werken verarbeiten. Ihnen gemein ist, dass sie alle einen Bezug zu Deutschland haben – entweder leben sie mittlerweile hier, oder sie haben an einer deutschen Universität studiert oder gearbeitet, oder stehen mit Deutschland in irgendeiner anderen Art und Weise in Verbindung.


Ausstellungen, Lesungen, Party und vieles mehr

Den Auftakt der achtwöchigen Veranstaltungsreihe macht die Ausstellung der griechischen Künstlerin Eriphyli Veneri. In ihren Videos, Fotos und Objekten hinterfragt sie Nationalitäten.
Yoko Tawada, die Kleist-Preisträgerin von 2016, lädt in ihrer perfor mativen Lesung zu deutsch-japanischen Sprach- und Denkbegegnungen ein.

Die 1960 in Tokio geborene Autorin lebt seit 1982 in Deutschland und schreibt seither auf Deutsch und Japanisch. In ihrer Dankesrede zur Verleihung des Kleist- Preises sagte sie: "Zwischen zwei Sprachen hingegen habe ich nie eine Grenze gesehen." Wer ihre Texte kennt, glaubt das sofort. Ihre Ausdrucksweise ist von grenzenloser Schönheit und klingt sowohl auf Deutsch als auch auf Japanisch seltsam vertraut – selbst wenn man kein Wort Japanisch versteht.

Musik, die stil- und länderübergreifend ist, legt die Gelegenheits- DJane Ph@ter Sound auf, sodass für jeden Geschmack und jede Kulturvorliebe etwas dabei sein dürfte.

Essen ist lebenswichtig und zugleich ein Teil unserer kulturellen Identität. Daher lädt Leonora Lorena, die in Mosambik, Schottland und Portugal aufwuchs und mittlerweile in Freiburg lebt, zusammen mit sechs weiteren Frauen aus verschiedenen Ländern zum gemeinsamen Essen ein. Gekocht wird ein Gericht, mit dem die Frauen eine Geschichte oder eine Erinnerung verbinden. "Food and Memories" ist daher auch der Titel des Eat Art Projekts, das den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Kultur des Essens wortwörtlich schmackhaft macht.

"Dazwischen bedeutet Bewegung", da sind sich Monika Kozaczka und Susanne Grob einig. Nur wer einen Raum verlasse, könne einen neuen entdecken. Auf dem Weg dorthin sei viel Bewegung notwendig: physische, emotionale sowie mentale. In ihrem Workshop lenken die Polin Kozaczka und die Schweizerin Grob den Fokus auf das eigene Bewusstsein und die Nähe zu anderen.

Unter dem Label "Freie Radikale – Hybrides Theater der Gegenwart" experimentieren die Künstlerinnen Günfer Cölgecen und Marylin Prado mit Grenzüberschreitungen, Entkategorisierungen und mehrdeutigen Bildern. Nach Freiburg kommen die beiden mit ihrer theatralen Lesung "Die Kriegerin". Darin beschäftigen sie sich mit den Fragen, warum die Menschenheit von Beginn an Krieg führt und warum sich manche Frauen für den Weg der Gewalt entscheiden.

Die Dagada Dance Company setzt sich aus drei sehr unterschiedlichen Künstlern mit dem gemeinsamen Drang nach künstlerischer Herausforderung zusammen. Mit dem Tanzstück "The Blob" begegnen Karolin Stächele (Deutschland), Marta Capaccioli (Italien) und Yannis Karalis (Griechenland) dem kollektiven Gefühl der Hilflosigkeit im Hinblick auf die aktuellen weltweiten Ereignisse.
Frauen mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen sind beim Workshop "Written on this Body" von Jazzmin Tutum eingeladen, ihre Muttersprache zu benutzen, um sich gemeinsam als aktive Weltensammlerinnen zu erfahren.

Olga Grjasnowa (Aserbaidschan) stellt ihren neuen Roman "Gott ist nicht schüchtern" vor. Die Geschichte gibt eine eindrucksvolle Sicht auf die syrische Revolution.

Filme von Chantal Akerman und anderen

In der Ausstellung der Iranerin Asoo Khanmohammadi werden zum ersten Mal mehrere Fotoserien gemeinsam präsentiert, die sowohl im Iran als auch in Österreich entstanden sind. Dabei richtet sie ihren Blick auf Genderfragen und auf die Ränder der Gesellschaft.

Der Dokumentarfilm "Haunted" der syrischen Filmemacherin Liwaa Yazji erzählt vom Verlust von Heimat und Sicherheit und von der realen und metaphorischen Bedeutung, die ein Haus im Leben eines Menschen hat.

Iris Wolff (Rumänien) stellt ihren neuen Roman "So tun, als ob es regnet" vor, der von einer Geschichte über vier Generationen und vier Ländergrenzen hinweg handelt. Und die im Senegal lebende Filmemacherin Silvia Voser bringt unter anderem ihren aktuellsten Film über die senegalische Jugendbewegung "Y’en a marre" nach Freiburg mit. 2012 sorgten die Proteste dort für einen Regierungswechsel.

"Totz Bezi", ebenfalls ein Film, ist das Porträt einer Frauenfreundschaft. Der Debütfilm von Ahu Öztürk (Türkei) wurde international gefeiert und gewann mehrere Preise. Die Grande Dame des belgischen Films Chantal Akerman lädt in ihrem Filmessay "D’Est" dazu ein, sie auf ihre filmische Reise durch Osteuropa zu begleiten.

Die dritte Weltensammlerinnen- Ausstellung ist Künstlerinnen gewidmet, die in Freiburg leben und arbeiten. Gezeigt werden Werke von Lena Litov (Ukraine), Olga Makarova (Russland), Annabel Pattullo (Schottland) und Laila Sahrai (Afghanistan). Ihre Bilder, Zeichnungen und Fotografien sind Ausdruck ihrer persönlichen und individuellen Erfahrung.

Maria Cristina Tangorra (Italien) hält den Bildvortrag "Zwischen den Welten", der den Garten, der in allen Kulturen zu finden ist, als Thema hat.

Veranstaltet wird "Weltensammlerinnen" vom Kulturamt, der städtischen Stelle zur Gleichberechtigung der Frau zusammen mit der Kuratorin Nicoletta Torcelli sowie der Interessensgemeinschaft für Angewandte Lebensfreude und zahlreichen Kooperationspartnerinnen. Gefördert wird die Reihe vom Innovationsfonds Baden-Württemberg und der Sparkasse Freiburg.

Weitere Informationen unter www.freiburg.de/ weltensammlerinnen

Veröffentlicht am 24.04.2017