Fünf Jahre OASE

Die Anlaufstelle für wohnungslose Menschen ist stark nachgefragt

Die Freiburger Anlaufstelle für wohnungslose Menschen OASE wird fünf Jahre alt. 2012 hat der Gemeinderat beschlossen, die seit 2006 bestehende Notübernachtung in der Haslacher Straße 11 zur zentralen Fachstelle auszubauen: Die bis dato im Stadtgebiet verteilten Angebote der Wohnungslosenhilfe, wie die Fachberatung, die Notübernachtung oder das Fallmanagement wurden in der OASE zusammengeführt.

Auch das Jobcenter war von Anfang an mit einer neu geschaffenen Außenstelle vor Ort vertreten. Die Bündelung und die enge Zusammenarbeit haben die Versorgung von wohnungslosen Menschen in Freiburg sehr verbessert.

Da die Zahl der Hilfesuchenden weiter anstieg, ist aus dem damals zwölfköpfigen Team inzwischen eine eigene Abteilung mit zwei Sachgebieten und 22 Beschäftigten geworden. Sie gehört dem Amt für Soziales und Senioren an und ist für die gesamte Wohnungsnotfallhilfe der Stadt Freiburg zuständig.

Die vielfältigen Aufgaben der Einrichtung spiegeln sich im Namen wieder: OASE steht für Obdach, Anlaufstelle, Soziale Dienste und Erstversorgung. Ein Angebot, das dringend benötigt wird und eine ständig wachsende Nachfrage verzeichnet – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen täglich hohe Fallzahlen bewältigen. Seit der Gründung vor fünf Jahren hat das OASE-Team 77.760 Übernachtungen registriert, mehr als 2.100 Neuanmeldungen abgearbeitet und 4.101 obdachlose Menschen fachlich beraten. Das Sachgebiet Fallmanagement begleitet derzeit 246 Hilfesuchende. Im vergangenen Jahr haben Menschen aus 24 Nationen die Notübernachtung genutzt.

Daneben wurden stetig neue Konzepte erarbeitet und verwirklicht, wie beispielweise die zugehende Sozialarbeit, Wohnprojekte für Jugendliche und Schwangere ohne Wohnung, Gewaltprävention und Individualhilfen.

2015 durchlief die OASE eine umfassende Evaluation zur Qualitätssicherung. Sie zeigte unter anderem, dass knapp 40 Prozent der Hilfesuchenden in der Fachberatung keine unterstützende Sozialarbeit, sondern hauptsächlich eigenen Wohnraum brauchen. Nur sechs Prozent der 920 Ratsuchenden im Jahr 2016 wurden als nicht mietfähig eingeschätzt. Welche Auswirkungen längere Wohnungslosigkeit auf einen Menschen hat, verdeutlichte die Auswertung der Sterbefälle: Die betroffenen Personen haben in Freiburg eine durchschnittliche Lebenserwartung von lediglich 50 Jahren.

Vor diesem Hintergrund wird klar, wie wertvoll und herausfordernd die Arbeit ist, die das OASE-Team und seine Leitung täglich leisten. Für sie ist der fünfte Geburtstag der Anlaufstelle daher mehr ein Grund zum Innehalten als zum Feiern. Denn die enorme Nachfrage verweist auf die vielen menschlichen Schicksale, die von Wohnungslosigkeit und Armut geprägt sind – und in der OASE jeden Tag sichtbar sind.

Veröffentlicht am 20.04.2017

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