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Rembrandt Harmensz. van Rijn, Selbstbildnis mit aufgerissenen Augen, 1630 © Kunstsammlungen der Veste Coburg

28. Oktober 2017 bis 28. Januar 2018

Rembrandt. 100 Radierungen. Von Macht und Ohnmacht des Leibes

Augustinermuseum – Haus der Graphischen Sammlung

Lust und Leid, Macht und Ohnmacht: Rembrandt Harmenszoon van Rijn (1606 – 1669) verschrieb sich in seinem Schaffen wie kaum ein anderer Künstler dem menschlichen Körper. Mit wachsamem, scharfem Blick beobachtet er den Menschen und zeigt, wie verletzlich und bedürftig dieser in seiner körperlichen Verfasstheit ist.

Rembrandt beschönigt nicht, sondern stellt dar, was er sieht: Heißhungrige Kinder, frierende Männer und Frauen, die sich um einen Ofen drängen, einen urinierender Mann, Liebespaare beim Geschlechtsakt, Alte, Kranke und Versehrte. Seine Bilder erzählen von der Lebendigkeit und der Vergänglichkeit alles Menschlichen, vom Aufbäumen des Menschen gegen seine körperliche Begrenztheit und von der Kapitulation gegenüber seinen Trieben – und dem Tod.

Rembrandts Sichtweise auf den Menschen und dessen Leib und Leben ist dabei eng verbunden mit der christlichen Religion, insbesondere mit der biblischen Erzählung vom Sündenfall. Weil Adam und Eva die verbotene Frucht kosteten, kamen Sexualität, Alter und Tod in die Welt. Vor diesem Hintergrund sind auch seine Darstellungen erotischer Szenen zu verstehen. Oft lässt er den Bildbetrachter dabei aktiv am Geschehen teilhaben und ihn damit durch die Augen des Sünders blicken.

In seinen Radierungen zum Alten und zum Neuen Testament verzichtet Rembrandt genauso wie in den Darstellungen von Genreszenen auf jegliche Idealisierung. Alle Figuren – ob Erzvater, Heiliger oder Pfannkuchenbäckerin – scheinen auf die gleiche Weise menschlich. Eine besondere Rolle innerhalb der Radierungen kommt den Selbstporträts zu. Hier erprobt Rembrandt immer wieder neue Rollen und studiert Gesichtsausdrücke. Mit weit aufgerissenen Augen und wirrem Haar blickt uns der Künstler an. Eine Radikalität der Darstellung, die uns noch heute in den Bann zieht.

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Augustinermuseums mit den Kunstsammlungen der Veste Coburg, aus deren Bestand die 100 Druckgraphiken Rembrandts stammen. In Coburg wird die Schau im Herbst 2018 gezeigt.