Freiburger Straßennamen

Bericht der Kommission zur Überprüfung der Freiburger Straßennamen liegt vor

Vier Jahre lang hat es gedauert, nun liegt der 96 Seiten umfassende Bericht zur Überprüfung der rund 1.300 Freiburger Straßennamen vor. Die vom Gemeinderat berufenen Kommission aus Expertinnen und Experten untersuchte, welche Würdigungen von Personen und Ereignissen durch die Benennung einer Straße aus heutiger Sicht nicht mehr angemessen erscheinen. Für zwölf Straßen empfiehlt die Kommission eine Umbenennung. Die Mehrheit des Gemeinderates folgte am 15. November der Empfehlung der Kommission.

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Umbenennung und Erläuterung

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Immer wieder gab es Beschwerden aus der Bürgerschaft über unterschiedliche Freiburger Straßennamen. Gefordert wurde in der Regel, dass die jeweiligen Straßen umbenannt werden sollten.
 
Über den jeweiligen Einzelfall hinaus stellte sich die grundsätzliche Frage, wie man mit früheren Ehrungen durch Straßenbenennungen, denen heute nicht mehr akzeptable Einstellungen und Haltungen zugrunde liegen, umgeht. Wie schon andere Städte zuvor, wie beispielsweise Berlin, Frankfurt, Hamburg oder Münster, hat sich die Stadt dieser umfangreichen Problematik gestellt. Eine vom Gemeinderat auf Vorschlag der Verwaltung eigens berufene Kommission von Expertinnen und Experten hat sämtliche Freiburger Straßenbenennungen wissenschaftlich untersucht.
 
„Für uns ist es sehr wichtig, dass die Ergebnisse der Kommission sofort öffentlich werden. Nun liegen klare Handlungsempfehlungen auf dem Tisch, die sicher in der Freiburger Bürgerschaft und von der Politik kontrovers diskutiert werden“, so Oberbürgermeister Dieter Salomon anlässlich der Vorstellung des Gutachtens zu den Straßennamen. „Da wir in einer offenen, pluralistischen und lebendigen Gesellschaft leben, gehören solche Diskussionen mit dazu“.
 
Und Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach: „Unser Dank gilt der äußerst intensiven Arbeit der Mitglieder der Kommission! Wenn der Gemeinderat den Empfehlungen folgt, haben wir sicher einen längeren Umsetzungsprozess vor uns. Dieser beginnt vom Beschluss jeder einzelnen Straße durch den Gemeinderat, über viele Bürgeranhörungen bis zu zahlreichen Informationsveranstaltungen.“
 
Die Federführung für das Projekt oblag dem Kulturamt, Abteilung Stadtarchiv. Mit der wissenschaftlichen Recherche wurde der Historiker Volker Ilgen beauftragt. Parallel wurde eine achtköpfige Kommission aus Historikerinnen und Historikern, einer Soziologin, einer Politologin und Archivarinnen und Archivaren berufen, die die einzelnen Straßennamen überprüften und bewerteten. Unter dem Vorsitz von Professor Bernd Martin, dem ehemaligen geschäftsführenden Direktor der Universität Freiburg, tagte die Kommission insgesamt 18 Mal.

In einem ersten Schritt wurde danach gefragt, durch wen der jeweilige Benennungsvorschlag zu welchem Zeitpunkt erfolgte. Im nächsten Schritt wurden die Stellungnahmen der städtischen Instanzen und der endgültige Gemeinderatsbeschluss erfasst.
 
Zentrale Kriterien der Prüfung waren unter anderem die aktive Förderung des Nationalsozialismus beziehungsweise des NS-Unrechtsstaates von führender Position aus, aggressiver Antisemitismus bei solchen Personen, die Multiplikatoren darstellten und über entsprechenden Einfluss verfügten, aber auch extreme unzeitgemäße Frauenfeindlichkeit, Militarismus in Form der Glorifizierung des Ersten Weltkrieges und nachgewiesener Rassismus.
 
Im Ergebnis empfiehlt die Kommission für 12 Straßen (Kategorie A) eine Umbenennung, da die bisherige Straßenbenennung nicht mehr haltbar ist. Weitere 15 Straßennamen (Kategorie B) erachtete die Kommission als diskussionswürdig. In diesen Fällen empfiehlt die Kommission, neben den bisherigen Schildern zusätzlich Erläuterungsschilder anzubringen. Die Kategorie C gilt als unbelastet. Bei 44 Straßen (Kategorie C1) merkte die Kommission allerdings an, dass diese Straßennamen nach heutiger Beurteilung so nicht mehr gewählt würden. Für das so genannte Heldenviertel rät die Kommission - abgesehen von der Umbenennung der Gallwitzstraße - zu einer Umwidmung oder Uminterpretierung der Namen im Sinne einer Opferperspektive an Stelle einer „Heldenverehrung“.
 
In seiner Sitzung am 15. November folgte der Gemeinderat der Empfehlung der Kommission. Nach der Entscheidung wird die Verwaltung jetzt sukzessive für jede umzubenennende Straße Anlieger- und Bürgeranhörungen und Informationsveranstaltungen anbieten. Zudem können rechtliche Auseinandersetzungen mit Anliegern der betroffenen Straßen nicht ausgeschlossen werden. Jede einzelne Umbenennung muss vom Gemeinderat gesondert beschlossen werden. Für die Erläuterungstafeln wird das Stadtarchiv die Texte entwerfen.
 
Hier nun die Empfehlungen der Kommission:
 
Die folgenden Straßennamen der Kategorien A und B sind einzeln geprüft worden und mit einem Einzelgutachten unterlegt. Diese 27 Einzelgutachten sind in dem Bericht der Kommission vollständig enthalten.

*1 nach Hermann und Magda Staudinger benannt
*2 nach August Weismann und seinem Sohn Julius benannt

Veröffentlicht am 06.10.2016

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