Neue Buchführung ab 2015 verspricht mehr Transparenz

Die Stadt stellt von der kameralen auf die doppische Buchführung um

Wer die realen Fahrtkosten seines Autos berechnen will, muss die Kosten für Anschaffung, Sprit, Steuer und Versicherung sowie Reparaturen in die Rechnung mit einbeziehen. Eine solche Kostenbetrachtung fand in den bisherigen Kommunalhaushalten in Baden- Württemberg nicht statt.  Im Fall eines städtischen Fahrzeugs heißt das Folgendes: Bei der Anschaffung wurden die erforderlichen Mittel bisher im Vermögenshaushalt eingestellt, die Betriebskosten hingegen in den Verwaltungshaushalten der nächsten Jahre. Der laufende Wertverlust des Fahrzeugs blieb im Haushalt in der Regel unsichtbar. Mit der neuen Kosten- und Leistungsrechnung, die ab 2015 in den Mittelpunkt künftiger Haushaltsplanungen rückt, soll das besser werden.

Zunächst musste eine Projektgruppe jedoch das gesamte städtische Vermögen erfassen und bewerten. Die bislang zusammengestellten Einzelbeträge sind eindrucksvoll: Allein der Wert aller Gebäude und Grundstücke (Wohn- und Dienstgebäude, Schulen, soziale Einrichtungen, Sport-, Freizeit- und Gartenanlagen) summiert sich auf knapp 435 Millionen Euro, wobei allein die Schulen mit fast 265 Millionen zu Buche schlagen. Hinzu kommt das Waldvermögen, das nach einer standardisierten Methode auf rund 44 Millionen Euro taxiert wurde.

Einer der Gründe für die neue Art der Buchführung ist die höhere Transparenz. Denn in den Teilhaushalten sind künftig alle Wertveränderungen mit Abschreibungen und ähnlichem aufgeführt. Außerdem werden pro Amt die Produktgruppen (zum Beispiel die Produktgruppe „Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Tagespflege“ beim Amt für Kinder, Jugend und Familie) und teilweise auch besonders bedeutsame Schlüsselprodukte mit ihren Kosten vorgestellt. Kennzahlen ermöglichen überdies die Darstellung der Entwicklung bestimmter Leistungen über mehrere Jahre. So könnten, um das Anfangsbeispiel aufzunehmen, die tatsächlichen Kilometerkosten bestimmter Fahrzeuge aufgezeigt und die Kostenentwicklung für Entscheidungen herangezogen werden.

Der künftige Haushalt besteht im Kern aus drei Teilen: Im Gesamtergebnishaushalt muss nach dem Gesetz der gesamte Werteverzehr (Aufwendungen) durch Wertzuwächse (Erträge) gedeckt sein. Neben dem Ergebnishaushalt wird es auch eine Bilanz aller Vermögens- und Schuldenpositionen geben, die das wirtschaftliche Gedächtnis des Haushalts darstellt. Die Liquidität des Kommunalhaushalts wird – drittens – in der Finanzrechnung mit Einzahlungen und Auszahlungen ermittelt.