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Gender Budgeting


Gender Budgeting

Gender Budgeting bedeutet die „geschlechterdifferenzierte Analyse öffentlicher Haushalte“, d.h. die Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern in der Haushaltsplanung. Es ist ein wichtiger Meilenstein bei der Umsetzung von Gender Mainstreaming, da die vorhandenen Mittel damit gezielt für mehr Gleichberechtigung eingesetzt werden können. Denn: Wofür die Kommune bzw. der Staat öffentliche Gelder ausgibt oder einspart, entscheidet ganz fundamental über die Lebensbedingungen von Bürgerinnen und Bürgern. Durch Gender Budgeting werden Einnahmen und Ausgaben daraufhin überprüft, ob sie die Gleichstellung der Geschlechter fördern oder gar Ungleichheiten hervorbringen.

Genderinformationen zu einzelnen Haushaltsposten sind nicht nur eine wichtige Entscheidungsgrundlage für eine gezielte Gleichstellungspolitik, sondern können auch die Qualität und Wirksamkeit der öffentlichen Dienste verbessern. Z.B. indem die vorhandene Ressourcen passgenauer genutzt werden können, was gerade in Zeiten knapper Kassen wichtig ist. Gender Budgeting heißt nicht, dass alle Mittel paritätisch aufgeteilt werden müssen. Im Gegenteil, es kann durchaus ein Ziel von Gender Budgeting sein, Mittel „ungleich“ zu verteilen, um so mehr Chancengleichheit zu erzielen, z.B. durch spezifische Berufserkundungen für Mädchen oder Bildungsangebote nur für Jungen.

Wie funktioniert Gender Budgeting?

Dazu müssen Informationen über die Verteilung und Wirkung der öffentlichen Mittel bekannt sein oder statistisch erhoben werden. Folgende Fragen stehen u.a. dabei im Mittelpunkt und müssen geklärt werden.

  • Welche Zielgruppen werden durch die geförderte Infrastruktur erreicht? Wem kommen die finanziellen Mittel und Leistungen der öffentlichen Hand zugute, wer nutzt die Dienstleistungen und Produkte?
  • Wie wirkt sich die Vergabe öffentlicher Mittel auf die Lebensverhältnisse von Frauen und Männer aus? Tragen sie zur Gleichstellung von Frauen und Männern bei?
  • Haben Frauen und Männer unterschiedliche Prioritäten?

Zur Bewertung der Vergabe öffentlicher Mittel muss auch die unbezahlte Arbeit, z.B. in der Familie, einbezogen werden.

Beispiele

  • Vereinbarkeit von Familie und Beruf
    Mittel für Kinderbetreuung einzusetzen, stärkt die Erwerbsmöglichkeit von Frauen. Denn vor allem Frauen erledigen die unbezahlte Familienarbeit. Werden die Mittel für die Kinderbetreuung gekürzt, steigt der Anteil unbezahlter Arbeit bei Müttern. Das ist nicht nur ungerecht, sondern schwächt angesichts des demographischen Wandels auch die wirtschaftliche Stärke.
  • Sport
    Mit Sportförderung unterstützt die Stadt Freiburg Jugendarbeit. Gender Budgeting macht sichtbar, welche Sportarten und wie viele Mädchen und Jungen damit gefördert werden. Dies ermöglicht nicht nur eine gerechtere Mittelverteilung, sondern auch differenziertere Zielsetzungen für Jungen und Mädchen. Der Sportentwicklungsplan zeigte: 11% mehr Frauen als Männer nutzen die Bäder. Werden die Mittel für die Bäder gekürzt, sind Frauen stärker betroffen als Männer.
  • Öffentlicher Nahverkehr
    Untersuchungen zum Verkehrsentwicklungsplan Freiburg zeigen, dass Kinder, Jugendliche, Frauen und Seniorinnen und Senioren den ÖPNV überdurchschnittlich nutzen. Wenn hier Mittel abgebaut werden, wird ihre Mobilität eingeschränkt.

Auch Sie können in den Foren die Auswirkungen des Haushalt auf die Gleichstellung von Frauen und Männern diskutieren und hierzu Vorschläge und Empfehlungen erarbeiten. Informationen zu den Ausgabenbereichen und deren Auswirkungen auf Frauen und Männer finden Sie - soweit von den Ämtern und Dienststellen bereit gestellt - in der Darstellung der einzelnen Haushaltsthemen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen zu Gender Budgeting
Gute Beispiele in der Stadtverwaltung zu Gender Mainstreaming
Beschluss des Gemeinderats (2010) zur Umsetzung von Gender Budgeting (PDF)