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Ergebnisse der Bürgerumfrage 2012


Umfrage zu den städtischen Finanzen

Bildung und Betreuung haben in Freiburg höchste Priorität

Alle zwei Jahre führt das Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung eine repräsentative Bürgerbefragung zu Themenbereichen wie etwa Leben in Freiburg, Wohnversorgung oder Lebenssituation durch.

Parallel zur jetzt beginnenden Haushaltsberatung hat das Amt die Ergebnisse zum Aspekt städtische Finanzen in einer Sonderveröffentlichung publiziert. Die zentralen Fragestellungen waren: Welche Meinungen haben die Freiburgerinnen und Freiburger zu Einsparungen und Mehrausgaben im städtischen Haushalt? Wo befürworten sie, mehr Mittel einzusetzen und wo würden sie Einsparungen vornehmen? Die Befragung ist ein Element des jetzt beginnenden Beteiligungshaushalts und soll dem Gemeinderat eine Entscheidungshilfe liefern.

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Umfrage zum Haushalt 2013/14 (PDF)

Die komplette Studie als PDF-Datei zum herunterladen

Zwischen Juli und September 2012 verschickte das Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung (ABI) 5869 Erhebungsbögen an repräsentativ ausgewählte Bürger aller Stadtteile mit der Bitte um Teilnahme. Insgesamt 2869 Personen (oder 49 Prozent) füllten den Fragebogen aus und lieferten damit eine breite und verlässliche Basis für die Auswertung. Da mit dem Fragebogen auch personenbezogene Daten wie Alter, Geschlecht, Bildung, Beruf, Haushaltstyp, Migrationshintergrund und Aufenthaltsdauer in Freiburg abgefragt wurden, lassen sich die Ergebnisse auch demografisch aufschlüsseln.

Mehr- und Minderausgaben

Um die große Zahl der Ausgabepositionen des Kommunalhaushalts übersichtlicher zu machen, bildete das ABI insgesamt 29 Haushaltsthemen, die von den Befragten gekürzt, erhöht oder unverändert belassen werden konnten. Die vorgeschlagenen Kürzungen und Mehrausgaben wurden dann „verrechnet“, also ein Indexwert ermittelt. Verlangten beispielsweise bei den Betreuungsangebote der Schulen 43 Prozent der Befragten Mehrausgaben und 2 Prozent Ausgabenkürzungen, ergab sich daraus ein Indexwert von 41.

Bei der Betrachtung der Ergebnisse ist zunächst auffällig, dass die Bürgerschaft in den meisten Bereichen mehr Geld ausgeben möchte ohne dies durch Einsparungen an anderen Stellen zu kompensieren. Dies hängt sicher damit zusammen, dass die Konsequenzen von Einsparungen schwerer abschätzbar sind als von Mehrausgaben. Drei Bereiche liegen den Befragten besonders am Herzen: Bei der „Instandhaltung von Schulen“ (41%-Punkte), den „Kindergärten und Kindertagesstätten“ (40%-Punkte) und den „Betreuungsangeboten an Schulen“ (39%-Punkte) sind signifikant mehr Befragte für eine Ausweitung der finanziellen Leistungen. Des weiteren stehen „Wohnungsbau“, „Sanierung vom Wohngebieten“, „Sicherheit und Ordnung“ sowie „Treffpunkte für Jugendliche“ oben auf der Prioritätenliste. In nur sechs Haushaltsbereichen übertreffen die Kürzungsvorschläge die Wünsche nach Mehrausgaben. Am deutlichsten ist dies bei den „Friedhöfen“ gefolgt vom „Theater“, den „Museen“ und der „Kulturförderung“.

Auffällig ist auch, dass es in den Sektoren „Bildung“ und „Betreuung“ fast keine Wünsche nach Einsparungen gibt: Hier herrscht offenbar ein großer Konsens im Wunsch nach finanzieller Stärkung. Anders ist dies zum Beispiel beim Thema „Straßen“. 16 Prozent der Befragten wünschen hier Einsparungen und 27 Prozent Mehrausgaben - ein Thema das offenkundig stark polarisiert.

Der Blick auf die Indexwerte darf jedoch nicht den Blick auf die oft größte Gruppe verstellen, die mit der Ausgabenpolitik „zufrieden“ ist. Bei 13 der 29 Hauhaltsbereichen wünscht mehr als die Hälfte der Befragten keine Veränderung. Besonders hoch ist die Zustimmung bei „Park- und Grünanlagen“, „Abfallbeseitigung“, „Sauberkeit“ und beim „öffentlichen Nahverkehr“. Weil das ABI bereits 2007 und 2010 vergleichbare Befragungen durchführte, lassen sich auch die Entwicklungen bei den Bewertungen erkennen. Auffällig ist zunächst, dass der Trend zu Mehrausgaben gegenüber der vorherigen Befragung generell wächst, vor allem aber in den Bereichen „Wohnungsbau“, „Modernisierung der Stadtteile“ und bei der „Sicherheit und Ordnung“. Hier sehen die Befragten offenkundig einen wachsenden Nachholbedarf, was zum Beispiel auf die kontinuierliche Verknappung und Verteuerung des Wohnraums in Freiburg zurückzuführen ist.

Soziale Merkmale

Bei der Befragung wurden auch soziale Merkmale wie Geschlecht, Alter, Bildung, Beruf und andere erhoben. Die statistische Auswertung zeigt, dass nicht alle diese sozialen Differenzierungsmerkmale im gleichen Umfang Auswirkung auf das Bewertungsverhalten haben. Am stärksten kann das Alter und der Bildungsgrad die Unterschiede erklären, gefolgt von Wohndauer in Freiburg, Geschlecht und dem Haushaltstyp. Von nahezu untergeordneter Bedeutung sind Einkommen, Migrationshintergrund und die Berufstätigkeit.

Einen wesentlichen Einfluss auf die Bewertung von Haushaltspositionen hat das Alter. Weil zum Beispiel „Kinderbetreuung“ und „Bildung“ für junge Familien eine wesentlich größere Bedeutung haben als für die ältere Generation, ist der Wunsch nach besserer Finanzausstattung hier deutlich ausgeprägt. Umgekehrt messen Ältere der „öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ sowie der „Abfallbeseitigung“ einen größeren Stellenwert zu. Der Wunsch nach Einsparungen bei den „Friedhöfen“ nimmt mit zunehmendem Alter signifikant ab.

Höhere Bildung führt dazu, dass „Integration“ deutlich höher bewertet wird, geringere Bildungsabschlüsse erbringen bessere Bewertungen bei der „Feuerwehr“, „Wirtschaftsförderung“ und bei „Straßen“.

Schlüsselt man die Einstellung zum Haushalt nach den Geschlechtern auf, fällt zunächst ins Auge, dass Frauen generell mehr Geld ausgeben wollen als Männer. Höhere Prioritäten messen sie dem „Klimaschutz“, der „Integration ausländischer Bürger“ oder „Beratungsstellen“ bei, als Männer. Nur beim Thema „Wohnungsbau“ zeigen sich Männer spendabler als Frauen. In der Prioritätensetzung spiegelt sich immer noch das traditionelle Rollenverhalten, das Frauen eine stärkere Verantwortung für Kinder, Haushalt und Familie zuweist als Männern. Ohne Verbindungen zu soziodemografischen Merkmalen stehen die Haushaltsbereiche „öffentlicher Nahverkehr“ und „Stadtwald“. Sie werden über alle Bevölkerungsgruppen hinweg gleich bewertet.

Kenntnisse lückenhaft

Im Rahmen der Bürgerumfrage ermittelten die Statistiker auch, wie gut sich die Bürgerschaft über Haushaltsthemen informiert fühlt. Während 30 Prozent ihren Informationsstand als „gut“ bis „sehr gut“ bezeichnen, fühlen sich 54 Prozent „wenig informiert“ und 15 Prozent „gar nicht informiert“. Allerdings wünschen die „wenig“ bis „gar nicht“ Informierten auch kaum weitere Kenntnisse. Während sich Senioren mit hohem Status zu 44 Prozent „sehr gut“ bis „gut“ informiert fühlen, schätzen junge Familien und Studenten ihren Informationsstand überwiegend als „gering“ ein. Den größten Wissensdurst verspüren berufstätige Männer: 64 Prozent von ihnen wollen mehr über den Kommunalhaushalt erfahren.


Wo würden Sie einsparen, die Ausgaben unverändert lassen oder mehr ausgeben? (in %)

Sortieren nach:
 einsparen
 unverändert
 mehr ausgeben
 weiß nicht
 
Schwimmbäder
 7 %
 63%
 16%
 14%
Betreuungsangebote an Schulen
 1
 21%
 41%
 37%
Spielplätze
 3
 50%
 21%
 26%
Park- und Grünanlagen
 5 %
 68%
 16%
 11%
Feuerwehr / Katastrophenschutz
 4
 58%
 12%
 26%
Friedhöfe
 21 %
 49%
 3
 27%
Stadtwald
 10 %
 59%
 8%
 23%
Naturschutz
 5 %
 56%
 22%
 17%
Bildungseinrichtungen
 5 %
 61%
 21%
 13%
Musikangebote
 15 %
 52%
 15%
 18%
öffentliche Sicherheit / Ordnung
 7 %
 44%
 39%
 10%
öffentlicher Nahverkehr
 3
 64%
 24%
 9%
Instandhaltung / Bau Schulen
 2
 32%
 43%
 23%
Kindergärten / -tagesstätten
 2
 25%
 42%
 31%
Treffpunkte für Jugend
 4
 33%
 33%
 30%
Treffpunkte / Beratungsstellen Senioren
 8 %
 41%
 15%
 36%
Integration ausländischer Mitbürger
 11 %
 38%
 20%
 31%
Beratungsstellen
 5 %
 42%
 20%
 33%
Sportförderung
 14 %
 50%
 18%
 18%
Wohnungsbau
 10 %
 32%
 44%
 14%
Modernisierung / Sanierung Wohngebiete
 7 %
 41%
 37%
 15%
Städt. Museen und Stadtarchiv
 23 %
 55%
 6%
 16%
Straßen
 16 %
 48%
 27%
 9%
Radwege
 10 %
 54%
 27%
 9%
Theaterangebot
 25 %
 54%
 8%
 13%
Klimaschutz
 8 %
 47%
 31%
 14%
Abfallbeseitigung / Sauberkeit in Stadt
 5 %
 65%
 24%
 6%
Wirtschaftsförderung
 20 %
 42%
 13%
 25%
Kulturförderung
 23 %
 47%
 13%
 17%

 

Die Ergebnisse der Bürgerumfrage 2012 sind in der Reihe „Beiträge zur Statistik“ des Amts für Bürgerservice und Informationsverarbeitung erschienen. Das 116-seitige Heft ist ab sofort für 10 Euro (ohne Versandkosten) beim ABI, Fahnenbergplatz 4, erhältlich. Bestellung auch per Fax unter 201-5598 oder per E-Mail an statistik@stadt.freiburg.de. Außerdem steht die Publikation kostenlos oben rechts zum Download bereit.