>Dafür braucht die Stadt neue Stellen

Dafür braucht die Stadt neue Stellen


Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter braucht eine moderne und serviceorientierte Verwaltung, um ihre Aufgaben für die Bürgerschaft leisten zu können? Im Entwurf des Doppelhaushalts 2013/2014 beantragt die Verwaltung insgesamt 340 zusätzliche Planstellen. Die Gründe dafür haben Oberbürgermeister Salomon und Finanzbürgermeister Neideck bei der Vorstellung des Etats genannt.

Bild:Siedlungswerk

Zu einem Gutteil resultiert der Bedarf aus neuen Aufgaben, an erster Stelle im Sektor Bildung und Kinderbetreuung. Freiburg ist in 20 Jahren um 33 000 Einwohner größer geworden und wächst weiter. Mit der „Personalreserve“ und zusätzlichen Ausbildungsplätzen beugt das Rathaus weiterhin dem Fachkräftemangel vor. Mehr als zwei Drittel der heute rund 3200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen in den nächsten 20 Jahren in den Ruhestand. Für sie Ersatz zu finden, wird immer schwieriger. Zudem fließen die zusätzlichen Ausgaben für Personal nicht ausschließlich in die Gehälter, sondern zu einem großen Teil auch in Pensionsrücklagen und Tarifsteigerungen.

Andererseits: In den letzten 20 Jahren hat die Stadt bereits kräftig Personal abgebaut, Aufgaben und Ämter fusioniert, die Organisation gestrafft und damit den Haushalt jährlich um einen zweistelligen Millionenbetrag entlastet. Große Bereiche wie Theater, Bäder und Abfallwirtschaft sind in GmbHs oder Eigenbetriebe ausgelagert.

Neue Aufgaben und Wachstum der Stadt machen weitere Personalstellen erforderlich

Was das Stichwort „Demografi scher Wandel“ bedeutet, zeigen die Bevölkerungsstatistiken: Weil die Menschen immer älter werden und die Zahl der Geburten sinkt, steht die Bevölkerungspyramide heute auf dem Kopf. Ein ähnliches Bild zeigt die Altersstatistik der städtischen Beschäftigten. Das Durchschnittsalter steigt kontinuierlich und liegt heute bei 46 Jahren. Auch wenn in den letzten Jahren verstärkt junge Leute eingestellt worden sind, ist die Altersgruppe der Fünfzigjährigen aus den geburtenstarken Jahrgängen inzwischen am stärksten vertreten.

Damit ist absehbar: Die personelle Struktur in den Ämtern ändert sich dramatisch. Aktuell wechseln zwischen 50 und 60 Mitarbeiter jährlich in den Ruhestand – dreimal so viel wie noch vor wenigen Jahren. Mit steigender Tendenz, denn 2020 werden es bereits 100 Pensionäre und Ruheständler sein, die pro Jahr ersetzt werden müssen.

Woher soll der Nachwuchs kommen? Das Wort „Fachkräftemangel“ beschäftigt nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Stadtverwaltung. Die Zahl gut ausgebildeter junger Fachleute geht kontinuierlich wegen der demografi schen Entwicklung zurück; Bewerber sind am Markt gefragt und können aus vielen Angeboten auswählen. Besonders dramatisch ist dies beispielsweise bei Erzieherinnen. Weil überall neue Betreuungsplätze und Kitas für unter Dreijährige gebaut werden, ist der Markt fast leergefegt. Auch IT-Fachleute oder Ingenieure sind Mangelware. Absolventen der Verwaltungshochschulen entscheiden sich nach dem Examen für Kommunen, die ihnen sofort eine freie Stelle bieten können.

Und: Der Vorzug des sicheren Arbeitsplatzes ist angesichts guter Chancen auf dem Arbeitsmarkt heute weniger wert als früher. Bei der Bezahlung rangieren der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst und die Beamtenbesoldung häufi g unter dem Niveau der freien Wirtschaft.

Die Stadt hat bereits vor Jahren Instrumente gegen den Fachkräftemangel und rückläufi ge Bewerberzahlen entwickelt, die mit dem Doppelhaushalt nun fortgeschrieben und ausgeweitet werden sollen.

Das Ausbildungsangebot soll weiter ausgebaut werden. 2013 und 2014 will das Haupt- und Personalamt (HPA) insgesamt 42 zusätzliche Plätze einrichten, womit sich die Zahl der Ausbildungsstellen gegenüber 2008 auf rund 180 verdoppelt. So will das HPA langfristig Nachwuchs aus dem eigenen Bestand für frei werdende Stellen rekrutieren. Das bedeutet: Gute Chancen für junge Leute auf interessante und sichere Arbeitsplätze. Zu den bisherigen Ausbildungsberufen kommen neue hinzu wie Maler, Geomatiker, Immobilienwirtschaftler, Projektmanagement im Bauwesen, Sozialwirte sowie Erzieherinnen und Erzieher. Bereits heute bildet die Stadt in 28 unterschiedlichen Berufen aus.

Die Personalreserve, ein zentraler Pool von Leerstellen, soll um rund 100 Stellen aufgestockt werden. Sie machen allein ein Drittel der beantragten zusätzlichen Stellen aus. Damit gewinnt das HPA fl exiblere Möglichkeiten, um interessante und qualifi zierte Bewerber wie Hochschulabsolventen oder Fachleute kurzfristig einzustellen, auch wenn in einem Amt eine Planstelle erst in einigen Monaten frei wird. Auch Mitarbeiterinnen im Erziehungsurlaub werden auf Stellen in der Personalreserve geführt, ehe sie nach ihrer Rückkehr in den Dienst wieder auf frei werdende reguläre Stellen in den Ämtern wechseln.

Kosten fallen für die Personalreserve erst an, wenn eine Stelle tatsächlich besetzt ist – beispielsweise durch neue oder aus der Beurlaubung zurückkehrende Beschäftigte. Deshalb kostet die Personalreserve nur ein Fünftel dessen, was für reguläre Planstellen in Fachämtern ausgegeben werden müsste. Für die 100 vorgesehenen neuen Personalreservestellen kalkuliert die Stadt rund eine Million Euro pro Jahr.

Hier entstehen neue Jobs

Rund 340 neue Planstellen beantragt die Verwaltung mit dem neuen Doppelhaushalt. Gut 100 sind „Leerstellen“ und stocken die Personalreserve auf (s. Beitrag oben). Von den verbleibenden knapp 240 sind nur 126 „echte“ und zusätzliche Stellen im Stellenplan. 25 sind für neue Zeitverträge wegen temporär neuer Aufgaben geplant, und 87 Zeitverträge, die in den letzten zwei Jahren wegen zusätzlicher Aufgaben eingerichtet worden waren, sollen nun zu festen Planstellen umgewandelt werden. Weil diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon jetzt beschäftigt und bezahlt werden, verursachen sie keine zusätzlichen Kosten.

Grafik zum Bedarf an neuen Personalstellen

Wofür werden die neuen Planstellen und Zeitverträge in den Ämtern benötigt? Der wichtigste Grund ist die frühkindliche Bildung und Betreuung mit Kitas und Kindergärten. Gegenüber 1993 sind rund 3600 zusätzliche Plätze entstanden, mit Schwerpunkt bei der Betreuung für Kinder unter drei Jahren, und bis Ende 2014 sollen noch mehrere hundert hinzukommen. Dafür werden Erzieherinnen und Erzieher gebraucht. Deshalb entfällt die Hälfte – exakt 49 Prozent oder 115 Stellen – ausschließlich auf „Bildung und Betreuung“. Dieser Sammelbegriff steht überwiegend für neue Arbeitsplätze in Kitas und Kindergärten; dazu gehören auch der Kommunale Sozialdienst, das Kompetenzzentrum Frühe Hilfen, die Betreuung von Schulkindern, Jugend und Beruf und weitere Einrichtungen.

Der zweite Grund: Freiburg ist eine wachsende Stadt. 33 000 Einwohner mehr als 1993 wirken sich überall in der Verwaltung aus. So stieg seit 1993 die Schülerzahl in städtischen Schulen um 5600 – so viel wie sechs große Gymnasien. In den Schülerhorten gibt es rund 1000 Plätze mehr als vor 20 Jahren, und das Straßennetz ist heute um 42 Kilometer länger. Weil die Fallzahlen und die Anforderungen kontinuierlich steigen, haben externe Gutachter Verstärkungen empfohlen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Sektor Wohnungsbau, Stadtentwicklung und Verkehr mit 12 Prozent der neuen Stellen: Für die Erschließung eines neuen Stadtteils wird eine Projektgruppe gebildet. Weil das Gebäudemanagement ein riesiges Neubau- und Sanierungsprogramm bewegt, sieht der Stellenplan Verstärkungen vor, ebenso wie in der Stadtund Verkehrsplanung und im Amt für Liegenschaften und Wohnungswesen für neue Baugebiete und Stadtbahnprojekte, oder im Baurechtsamt, um Bauanträge schneller bearbeiten zu können.

Ein knappes Viertel entfällt auf die übrige Verwaltung und verteilt sich über zahlreiche Ämter: Von Personal für das einheitliche Servicetelefon 115 bis zur Feuerwehr, oder von Veterinären und Lebensmittelkontrolleuren bis zu Fachleuten für das neue Haushaltswesen. Einen erklecklichen Anteil mit 8 Prozent machen schließlich neue gesetzliche Aufgaben aus, beispielsweise vorgeschriebene Brückenkontrollen oder die Einrichtung einer Grundbucheinsichtsstelle